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Moses

Sehr geehrte, liebe Frau Soefner, sehr geehrter, lieber Herr Neumann !

Gerade fand ich eine mail auf dem PC, die mich über Ihre neue homepage informierte. Und, obwohl ich – eigentlich wie immer – ganz und gar keine Zeit habe, möchte ich dies jetzt sofort zum Anlass nehmen, mich wenigstens einmal persönlich bei Ihnen zu melden. Sonst wird es doch nur wieder verschoben, so wie ich es bislang machte.
Sie kennen mich nicht, erinnern sich aber vielleicht an den kleinen beige-weißen Wirbelwind „Moses“, mit den Steh-Knick-Ohren, der zu seinem Glück in Ihrer Obhut war. Ulrike Parthen und Michaela Weigel vertrauten ihn meinem Mann und mir am 2. August d.J. an und seither lebt er mit uns. Zwei Tage nach seinem Einzug kam noch unser zweiter neuer Hausgenosse – eine wunderschöne, halb verhungerte, rumänische Straßenhündin (Isabelle) aus der Tötung, deren körperliche Wunden zwar verheilt waren, ihre seelischen aber sehr tief sitzen – hinzu. Eigentlich hätte der zweite Hund ja Mendelssohn oder Aaron heißen müssen. Aber die Hündin bekam ihren Namen von der Tierschutzorganisation; als sie wahrscheinlich das erste Mal in ihrem Leben ein bißchen Glück hatte. So soll sie diesen Namen auch als Symbol weiter tragen.
Wie sind Sie nur auf den Namen „Moses“ gekommen ? Eigentlich ist er mit diesem Namen aber auch ganz passend bei uns gelandet, verbindet sich doch in diesem Namen nicht nur die jüdische und christliche Tradition. 
Mit Moses war es ganz merkwürdig, so wie ich es in den 43 Jahren seitdem ich mit Hunden zusammenlebe, noch niemals erlebt habe. Es war so, als hätte dieser Vierbeiner nur auf uns gewartet. Wir haben nicht ihn, sondern er uns adoptiert. Er war vom ersten Tag an wirklich da. Seither hat man den Eindruck, daß er mit einem Gummiband an mir festgebunden ist - zumindest im Haus und Garten. Schon ein Gang ohne ihn von mir zur Mülltonne führt zu verzweifeltem Schreien (nicht Heulen oder Weinen) . Augenblicklich sind wir mit wechselndem Erfolg, aber schon in die richtige Richtung weisend, damit beschäftigt, daß er lernt, daß ich auch einmal ohne ihn weggehen darf. Leider ist das „Gummiband“ nicht da, wenn er beim Spaziergang abgeleint wird. Er entfernt sich weiter, als mir lieb ist. Auf Grund seiner enormen Sprungkraft  hat er auch schon einige Besuche in Nachbargärten hinter sich, wobei er mittlerweile die Grenze zu dem einen Nachbarn akzeptiert und zähneknirschend zur Kenntnis genommen hat, daß man ein offenes Törchen benutzt, um dorthin zu gelangen. Die gleiche Prozedur jetzt zum anderen Nachbarn. Beide haben junge Hunde und so ist es immer sehr verführerisch.
In der ersten Zeit war ich übersät mit blauen Flecken, weil sein Spiel mit mir und die Aufforderung dazu doch recht rüpelhaft waren. Auch die Begrüßungzeremonie am Morgen und die Freude, wenn die Leine vom Haken genommen wurde, fielen eher schmerzhaft für mich aus. Zwischenzeitlich hat er begriffen, daß ich nicht zu unbedingt von diesem Verhalten begeistert bin und geht doch schon erheblich sanfter mit mir um.
So ungestüm er auch ist, er braucht sehr, sehr viel Zuwendung und gibt sie auf der anderen Seite auch. Die Eingewöhnung und der Aufbau von Vertrauen zu uns Menschen der Hündin innerhalb recht kurzer Zeit ist allein Moses zu verdanken, der nicht nur ein goldenes Fell hat. Es war schon wirklich ergreifend zu sehen, wenn er sich zu Isabelle legte und sein Köpfchen auf ihrem Bauch platzierte, als wolle er ihr signalisieren, sei ruhig, es ist in Ordnung.
 Inzwischen nervt er Isabelle häufiger, weil er immer wieder spielen will. Moses braucht eigentlich dauernd mehr als nur einen Sparringspartner. Aber drei Hunde gehen wegen unserer Lebensumstände nicht. Ich habe mit ihm „Kopfarbeit“ angefangen. Der kleine Kerl lernt aber so schnell, daß man ich mich manchmal frage, wer hier eigentlich die Kopfarbeit leistet. Ob nicht vielleicht ich es bin, die sich immer neue Kopf-Aufgaben für ihn ausdenken muß.
Ich glaube, ich könnte Ihnen schon ein kleines Büchlein schreiben, will es aber mit den obigen Schlaglichtern erst einmal belassen. Sobald ich und auch mein Mann arbeitsmäßig etwas Luft haben wird es auch noch Unterricht mit einer Hundetrainerin geben, Es gibt noch jede Menge Baustellen…. Aber denken Sie jetzt nicht, daß ich ein dressiertes Äffchen aus Moses machen möchte und ihm nicht seine Individualität ließe ! Aber bestimmte Dinge müssen einfach einwandfrei und sicher funktionieren.
Das Wetter jetzt in Deutschland gefällt Moses nicht so besonders. Es ist kühl und regnet fast immer. So gern, wie Moses ein Bad im Teich der Nachbarn nimmt, so ungern geht er bei Regen vor die Tür. Augenblicklich ist er müde und ruhig. Er liegt  zufrieden, mit den Beinen in der Luft  in seinem Körbchen, das direkt neben meinem PC steht und hört vielleicht dem ihn mittlerweile beruhigenden Geklapper auf der Tastatur zu. Gleich muß ich noch mein Büro wieder in Ordnung bringen. Die Beiden hatten sich zuvor freundlicherweise damit beschäftigt, einen größeren Styroporblock für mich zu schreddern, damit ich ihn besser im gelben Sack verstauen kann. Zugegen, das ein oder andere Leckerli konnte man bei dieser Arbeit durchaus in dem weißen, wunderbar quietschenden Zeugs auch noch finden.
Ich wünsche Ihnen von Herzen weiterhin viel Kraft und auch Freunde bei Ihrem bewundernswerten Engagement. Es gibt so unendlich viel Tierleid und ich meine damit nicht nur Hunde. Für mich selber muß ich mir immer wieder den Ausspruch, ich weiß gar nicht von wem, vor Augen halten, den ich auch bei der Gestaltung eines Werbeflyers für einen Schülerfirma für rumänische Straßenhunde geschrieben habe: Ein Tropfen auf den heißen Stein ist wichtiger, als ein Meer voll Sympathie.

Ihre Ingrid-Dorothea Elsas


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